Nachhaltigkeitsstrategie: Beispiele für Unternehmen in der Transformation

In diesem Artikel stellen wir Dir Good-Practice-Beispiele für nachhaltige Unternehmen in der Transformation vor.

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Neue Studie zum Stand des nachhaltigen Wirtschaftens in Deutschland 

Klimaschutz und Nachhaltigkeit – diese politischen Ziele werden immer wichtiger. Nachhaltiges Wirtschaften ist zur Erreichung eine Grundvoraussetzung. Doch wo steht Deutschland, wenn es um den Stand des nachhaltigen Wirtschaftens geht? Um die Debatte darüber zu versachlichen und einen Überblick zu bekommen, wo wir als Wirtschaftsstandort stehen, hat der Rat für Nachhaltige Entwicklung eine Studie in Auftrag gegeben, die im Mai 2021 veröffentlicht wurde. Enthalten sind dabei auch 10 Steckbriefe zu Best-Practice Beispiele nachhaltigkeitsorientierter Unternehmen, die wir hier vorstellen wollen. Für drei der Unternehmen wurde zusätzlich eine Podcastfolge von MASTERS OF CHANGE –  eine Podcast über Nachhaltigkeit und Wandel erstellt.   

Hintergrund der Studie 

Die Studie besteht aus einer systematischen Analyse wissenschaftlicher Studien zur nachhaltigem Wirtschaften in Deutschland und erstellt so eine Gesamtbilanz von voranschreitenden Unternehmen in Deutschland aus verschiedenen Branchen. Unter Mitwirkung der GWT stellen Prof. Dr. Remmer Sassen (TU Dresden), Leyla Azizi (TU Dresden), Vera Braun (TU Dresden) und Dr. Colin Bien (nRole) sowohl systematische Fehlstellen und methodische Herausforderungen als auch Unternehmen heraus, die als Leuchttürme nachhaltigen Wirtschaftens in Deutschland angesehen werden können.

Leuchttürme für Nachhaltigkeit im Unternehmen

Es werden 10 Unternehmen portraitiert, die als Good-Practice-Beispiele gelten können. Unterteilt sind diese in drei Kategorien

In diesem und zwei folgenden Blogbeiträgen (Unternehmen mit Kerngeschäft Nachhaltigkeit & Startups und kleine Unternehmen) werden die portraitierten Unternehmen vorgestellt. Darüber hinaus lohnt sich für Interessierte ein Blick hier in die gesamte Studie. 

Unternehmen in der Transformation

Beginnend werden die Unternehmen der ersten Kategorie vorgestellt. Jedes davon erfüllt mindestens eins von 17 vorher ausgewählten Kriterien (siehe Abb. unten) wie z.B., dass es einen veröffentlichen Bericht nach dem Global Reporting Initiative (GRI) Standard hat oder Mitglied des B.A.U.M. e.V. ist.

Beispiel I: Deutsche Telekom AG

Ein Unternehmen, welches beide der eben genannten Kriterien (und noch mehr) erfüllt, ist die Deutsche Telekom AG. Es ist das größte Telekommunikationsunternehmen in Deutschland und beschäftigte im Jahr 2019 mehr als 218.000 Mitarbeitende weltweit. Sukzessiv hat der Konzern das Thema Nachhaltigkeit in den letzten Jahren in die Unternehmensstrategie eingeführt und nennt es sogar seit 2019 als offiziellen Teil dieser. Die CR-Strategie (Corporate Responsibility) beinhaltet drei Hauptaspekte: 

  • Nachhaltige Lebensweisen in einer digitalen Welt,
  • Zugang und Teilhabe an der Informations- und Kommunikationsgesellschaft, und
  • Klima- und Ressourcenschonende Gesellschaft.

Darunter gliedern sich wiederum verschiedene Themen wie u.a. Datensicherheit, Digitalisierung und nachhaltige Lieferketten. Die Deutsche Telekom AG hat sich des Weiteren ambitionierte, nachhaltige Ziele gesetzt. Beispielsweise soll eine nachhaltige Anlagestrategie für die Kapitalanlagen der Deutschen Telekom entwickelt und implementiert werden. Außerdem soll der Stromverbrauch des Konzerns auf 100% erneuerbare Energien umgestellt werden. Hinzu kommen auch sozialpolitische Ziele wie eine Erhöhung des Frauenanteils in Führungspositionen.

Verankerung von Nachhaltigkeit im Unternehmen

Wird die Deutsche Telekom AG genauer betrachtet, zeigt sich, dass Nachhaltigkeit und Corporate Responsibility bereits stark im Unternehmen verankert ist. So trägt nicht nur der Vorstand die CR-Gesamtverantwortung, es gibt zusätzlich CR-Manager:innen, die für die Umsetzung der CR-Strategie zuständig sind. Durch ein CR-Board ergibt sich zudem eine Rückkopplung zwischen CR und dem Kerngeschäft. Die Richtlinien sind dabei formal und verbindlich festgelegt. Hinzukommt ein IT-basiertes CR-Controlling, dass die Prozesse misst und steuert. Die Deutsche Telekom AG hat ein intergiertes Gesundheits-, Sicherheits- und Umweltmanagementsystem sowie Compliance Management Systeme implementiert. 

Weitere Informationen aus dem Steckbrief

  • GRI, DNK, IÖW
  • DNP (Sieger Großunternehmen 2018)
  • Mitglied B.A.U.M e.V., Econsense
  • UN Global Compact
  • LifeVerde Liste
  • Ethisphere Award: Award als eines der ethischsten Unternehmen der Welt
  • Cloud Computing: CO2-Emissionen Reduzierung durch Cloud-Angebote für Kunden:innen
  • Flottenmanagement: Nutzung CO2-optimierter Fahrzeuge im Unternehmen
  • Weniger Plastik: Reduzierung von Kunststoff bei der Herstellung von SIM-Lochkarten

Beispiel II: Tchibo GmbH

Ebenso ein großes Unternehmen, dass als Good-Practice-Beispiel in der Studie Nachhaltiges Wirtschaften in der Kategorie „Unternehmen in der Transformation“ ist, ist die Tchibo GmbH. Sie wurde 1949 in Hamburg gegründet und ist vor allem für den Handel mit Kaffee bekannt. Hinzukommt ein wechselndes Non-Food-Sortiment sowie Dienstleistungen im Bereich Reisen und Mobilfunk. Bereits seit über 15 Jahren gehört das Thema Nachhaltigkeit auch in diesem Konzern zu einem der strategischen Ziele, das von der Geschäftsführung vorangetrieben wird.

Die Nachhaltigkeitsstrategie der Tchibo GmbH umfasst neun Themengebiete:

  • Nachhaltigkeitsmanagement,
  • Transformation,
  • Mitarbeitende,
  • Gesellschaft,
  • Kund:innen,
  • Menschen und Arbeitsrechte,
  • Umweltschutz,
  • Non-Food-,
  • und Kaffeelieferkette.

Dabei verfolgt das Unternehmen verschiedene Ziele, die in regelmäßigen Berichtserstattungen ausführlich beschrieben werden (nach GRI & DNK Standard). Darunter z.B. den Anteil nachhaltiger Baumwolle auf 100% erhöhen oder die verursachten Emissionen reduzieren.

Verankerung von Nachhaltigkeit im Unternehmen

Das Thema Nachhaltigkeit ist bei der Tchibo GmbH an mehreren Stellen verankert. So sind die Verantwortlichkeiten für die nachhaltigen Maßnahmen im Unternehmen klar geregelt und ziehen sich durch alle Hierarchieebenen. Des Weiteren ist es seit 2006 offizieller Bestandteil der Geschäftsstrategie und im Verhaltenskodex (Code of Conduct) verankert. Dieser Kodex hat nicht nur Auflagen für das Unternehmen selbst, sondern auch für Mitarbeitende sowie Zulieferanten und Geschäftspartner:innen. Diese Anforderungen sowie das unternehmerische Handeln der Tchibo GmbH orientiert sich an internationalen Standards wie beispielsweise der internationalen Menschenrechtscharta der ILO.

Weitere Informationen aus dem Steckbrief

  • GRI, DNK
  • DNP (Sieger Großunternehmen 2016, B.A.U.M e.V. Preis
  • Mitglied B.A.U.M e.V.
  • UN Global Compact
  • LifeVerde Liste
  • Grüner Knopf
  • Lieferkette: Die Tchibo GmbH setzt sich für nachhaltige und soziale Lieferketten ein.
  • Materialien: Es werden Naturfasern aus biologischen Anbau, synthetische Fasern und Kunststoffe aus recyceltem Material sowie chemisch produzierte fasern aus Zellulose verwendet.
  • Tierfaser-Sortiment: Ab 2021 verwendet Tchibo kein konventionelles Kaschmir mehr. 
  • Recycling: Um eine Kreislaufwirtschaft herzustellen wurde 2018 erstmals recycelte Wolle eingesetzt. 
  • Work-Life-Balance: Das Unternehmen unterstützt Mitarbeitende einen Ausgleich zwischen Arbeits- und Privatleben zu finden. Dafür bietet es z.B. Sportkurse im hauseigenen Freizeitzentrum an.

Mit Tchibo im Gespräch – der Podcast

Du möchtest mehr über die Tchibo GmbH und das Thema Nachhaltigkeit erfahren? Für die Studie wurde ein Podcast mit dem Unternehmen aufgenommen. Hier kannst du ihn hören. 

Beispiel III: REWE Group

Das dritte und letzte Unternehmen der Kategorie „Unternehmen in der Transformation“ ist die REWE Group. Die Gruppe wurde 1927 gegründet und agiert in über 20 europäischen Ländern. Mit einem Umsatz von 62,7 Mrd. Euro im Jahr 2019 und über 360.000 Mitarbeitenden ist es ebenfalls eins der großen Unternehmen in Deutschland. Einer der ersten wichtigen Schritte Richtung Nachhaltigkeit ging die REWE Group bereits Anfang der 90er Jahre, als sie als einer der ersten Akteure bundesweit Fair Trade Kaffee ins Sortiment aufnahmen. Daraufhin folgten viele weitere Maßnahmen. Bis heute ist die REWE Group in einem umfänglichen Transformationsprozess, der aufgrund seiner Inhalte bereits ausgezeichnet wurde.

Nachhaltigkeit gehört bei der REWE Group zum Leitbild des Unternehmens. Die CR-Strategie gründet sich dabei auf vier Hauptaspekten:

  • Grüne Produkte,
  • Energie, Klima und Umwelt,
  • Mitarbeitende,
  • gesellschaftliches Engagement.

Diese Hauptthemen werden des Weiteren in unterschiedliche Handlungsfelder untergliedert, in denen das Unternehmen durch Projekte und Kooperationen stetig neue Ziele erreicht. Ebenso wie die zwei anderen, bereits vorgestellten Unternehmen, hat auch die REWE Group ambitionierte Ziele im Bereich Nachhaltigkeit. Dazu gehört unter andere, dass der Anteil der umweltfreundlichen Eigenmarkenverpackungen bis zum Jahr 2030 auf 100% erhöht werden soll sowie die Erhöhung der Anzahl zertifizierter Produkte im Markt. Im sozialpolitischen Bereich engagiert sich das Unternehmen für ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis in Führungspositionen. Darüber hinaus arbeitet die REWE Group daran bis 2025 ein Beschwerdemechanismus-System für die relevanten Lieferketten einzuführen.

Verankerung im Unternehmen

Bei der REWE Group liegt die Verantwortung für die Nachhaltigkeitsstrategie bei den Vorstandsvorsitzenden. Zudem gibt es einen Fachbeirat für Nachhaltigkeit sowie ein strategisches Nachhaltigkeitsmanagement. Zweimal im Jahr veranstaltet das Unternehmen eine gruppenweite Nachhaltigkeitsinformationsveranstaltung. 

Weitere Informationen aus dem Steckbrief

  • GRI, DNK, IÖW
  • DNP (Sieger Deutschlands nachhaltigste Initiative 2010), B.A.U.M e.V. Preis
  • Mitglied B.A.U.M e.V.
  • LifeVerde Liste
  • Grüner Knopf
  • Gebäude: Neue Märkte der REWE Group werden nach den Kriterien des DGNB gebaut.
  • Innovationen: Das Unternehmen verwendet das “Natural Branding” um Plastikverpackungen zu vermeiden.
  • Verpackungsideen: Die Gruppe erhielt den Sonderpreis “Verpackung” des Deutschen Nachhaltigkeitspreises für Ideen zum Thema “Verpackungen von morgen”.
  • Plastik: Die REWE Group hat eine Initiative, die das Ziel hat Plastik einzusparen. Sie nennt sich “Raus aus Plastik”. 

Das waren die ersten drei Good-Practice-Beispiele aus der Studie “Stand nachhaltigen Wirtschaftens in Deutschland”. 

Im nächsten Beitrag stellen wir dir die nächste Kategorie “Nachhaltigkeit im Kerngeschäft” vor. 

Hier geht’s weiter.

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