Nachhal­tig­keit im Unter­neh­men: Den Wandel managen

Lesezeit: 3 Minuten
In diesem Artikel erfährst Du, wie Du für die Idee Nachhaltigkeit begeisterst, Mitstreiter*innen gewinnst und was nachhaltiges Denken heißt.

Der Überblick

Ein gut funktionierendes Unternehmen ist wie ein Getriebe, das aus verschiedenen Rädern, Schrauben und einzelnen Prozessen besteht, die im Gesamten einem großen (Unternehmens-) Zweck dienen. Um Nachhaltigkeit tiefgreifend und langfristig in ein Unternehmen zu integrieren, benötigt es daher nicht nur einzelne neue Stellwerke. Es braucht eine gesamte Transformation im Handeln und Denken.

Inhaltsverzeichnis

Mehr als nur Veränderungen

Sowohl unsere Gesell­schaft als auch unsere Umwelt verän­dern sich zuneh­mend rasan­ter. Die voran­schrei­ten­de Globa­li­sie­rung und Digita­li­sie­rung sind dafür nur einzel­ne Beispie­le. Was daraus aber deutlich wird, ist, dass Unter­neh­men ständig neuen Heraus­for­de­run­gen gegen­über­ste­hen. Aus diesem Grund ist der Begriff Change­ma­nage­ment in den letzten Jahrzehn­ten immer wichti­ger gewor­den. Dieser beschreibt die Imple­men­tie­rung von neuen Initia­ti­ven, wie zum Beispiel einer neuen Firmen­soft­ware. Dieser Prozess ist auf diese Innova­ti­on fokus­siert und endet mit der vollstän­di­gen Umset­zung im Unter­neh­men. Doch Nachhal­tig­keit ist mehr als eine neue Firmen­soft­ware. Vielmehr ist es eine Mehrzahl von neuen Initia­ti­ven und Denkwei­sen im Unter­neh­men. Aus diesem Grund handelt es sich hier nicht um eine einfa­che Verän­de­rung im Sinne des Change­ma­nage­ments, sondern um eine Trans­for­ma­ti­on – ein langfris­ti­ger Prozess mit vielen, sich gegen­sei­tig beein­flus­sen­den Initiativen.

„Proble­me kann man niemals mit dersel­ben Denkwei­se lösen, durch die sie entstan­den sind.“ (Albert Einstein)

Wer sein Handeln verän­dern möchte, muss zunächst seine Heran­ge­hens­wei­se, also sein Denken prüfen. In dieser schnell­le­bi­gen Zeit müssen Entschei­dun­gen im Unter­neh­men häufig unter hohem Zeitdruck und mithil­fe weniger Infor­ma­tio­nen getrof­fen werden. Das führt in vielen Fällen zu Kurzsich­tig­keit, der nicht selten böse Überra­schun­gen folgen. An diesem Punkt setzt nachhal­ti­ges Denken an. Verschie­de­ne Denkwei­sen ermög­li­chen es langfris­tig, überlegt und dennoch flexi­bel zu handeln. Das langfris­ti­ge Denken orien­tiert sich dabei an einer einfa­chen Regel: „Be nice“. Denn morali­scher Umgang mit Mitar­bei­ten­den, Kunden*innen und anderen Stake- und Share­hol­dern führt zu einer langfris­ti­gen Vertrau­ens­be­zie­hung, die auch mögli­chen, nicht vorher­seh­ba­ren Krisen stand­hal­ten kann. Das wieder­um fördert die Wider­stands­fä­hig­keit eines Unter­neh­mens, denn der Rückhalt von Stake- und Share­hol­dern ist die Grund­la­ge für ein gutes Krisenmanagement.

Das Leben eines Produktes

Was aus betriebs­wirt­schaft­li­cher Sicht den Markt­ein­stieg, die Verkaufs­kur­ve und den Markt­aus­tritt eines Produk­tes beschreibt, ist im nachhal­ti­gen Denken eine Betrach­tung begin­nend von der Rohstoff­ge­win­nung bis hin zur Entsor­gung. Das sogenann­te lebens­zy­kli­sche Denken beleuch­tet jeden einzel­nen Schritt einer Wertschöp­fungs­ket­te. Demnach ist es nicht nur wichtig nachhal­tig angebau­te Rohstof­fe zu verwen­den, sondern auch ein Produkt herzu­stel­len, was gut recycle­bar ist. Die Verant­wor­tung für das Produkt wird hier über den Verkauf hinaus übernom­men. Dieser Ansatz kann mit dem zirku­lä­ren Denken kombi­niert werden. Ziel ist es, einen Kreis­lauf herzu­stel­len, bei dem die Entsor­gung von Produk­ten zur Gewin­nung von Rohstof­fen genutzt wird. Ganz nach dem Motto: Aus alt mach neu. Mit solchen geschlos­se­nen Syste­men können Ressour­cen stetig wieder­ver­wen­det werden, was langfris­tig positi­ve Effek­te auf nicht erneu­er­ba­re Ressour­cen sowie den Geldbeu­tel eines Unter­neh­mens haben kann.

Nachhal­tig denken bedeu­tet: Die Zukunft im Blick haben

Unsere komple­xe Umwelt können wir mithil­fe des syste­mi­schen und kontext­ba­sier­ten Denkens für uns verein­fa­chen. Es geht darum zu erken­nen, dass alle Syste­me in einem Zusam­men­hang zuein­an­der­ste­hen. Jedes System hat ein Limit. Wird das überschrit­ten, ergeben sich negati­ve Effek­te für den gesam­ten Kontext. Der Schlüs­sel bei dieser Denkwei­se liegt darin, Verbin­dun­gen zu erken­nen und dadurch Konse­quen­zen syste­ma­tisch beurtei­len zu können. Somit können wir mit diesen nachhal­ti­gen Denkwei­sen zwar nicht in die Zukunft schau­en, aber ihre mögli­chen Entwick­lun­gen besser einschät­zen und positiv beein­flus­sen. Damit liegt die Antwort auf die gestell­te Frage „Wie schaf­fe ich Verän­de­run­gen im Unter­neh­men?“ auf der Hand. Verän­de­re Dein Denken und Handeln: Statt an den Profit, denk an den Zweck, den Dein Unter­neh­men erfül­len soll. Gliede­re Deine Unter­neh­mens­struk­tur nicht länger in starren Hierar­chien, sondern denke in Netzwer­ken und stärke Deine Mitar­bei­ten­den. Erwei­te­re die Sicht­wei­se in Deinem Unter­neh­men und experi­men­tie­re mit neuen Ideen. Gehe weg von Geheim­hal­tun­gen, hin zu Offen­heit und Trans­pa­renz. So entsteht eine tiefgrei­fen­de, nachhal­ti­ge Trans­for­ma­ti­on in allen Berei­chen Deines Unternehmens.

Dr. Colin Bien

Colin ist Gründer von .nRole. Als promovierter Wirtschaftswissenschaftler mit Nachhaltigkeitsschwerpunkt hat er den Onlineshops True Fabrics gegründet und daher umfassende Kompetenzen im E-Commerce und Onlinemarketing. Zuvor gründete er die Event- und DJ-Agentur Boom le Choc mit. Er co-initiierte das europaweit größte Netzwerk für Nachhaltigkeit an Hochschulen (HOCHN) und hat als freiberuflicher Trainer für den Europäischen Rechnungshof gearbeitet. Erfahrungen in der Nachhaltigkeitsberatung hat er als Werkstudent in verschiedenen Beratungen gewinnen können. Er war Koordinator für Nachhaltigkeitsfragen an der Universität Oldenburg und zuletzt wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Hamburg. Colin hat an den Universitäten Oldenburg, Lüneburg und der ESCP Berlin doziert, mit dem Schwerpunkt auf Geschäftsmodellentwicklung grüner Start-ups.

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