Die ökono­mi­sche Dimension

Nachhal­tig­keit schafft ökono­mi­schen Mehrwert

Zunächst ist eines festzu­hal­ten: Gut imple­men­tier­te Nachhal­tig­keit ist ein Wettbe­werbs­vor­teil – in vieler­lei Hinsicht. Unter­su­chun­gen zeigen, dass eine verant­wor­tungs­vol­le Unter­neh­mens­füh­rung einen positi­ven Effekt auf die finan­zi­el­le Perfor­mance eines Unter­neh­mens hat. Auch herrscht in der Wissen­schaft Einig­keit darüber, dass ein “weiter-so” oder “business-as-usual” in jedem Fall das kostspie­ligs­te Szena­rio ist. Sich als Unter­neh­men nicht mit Klima­schutz, Sorgfalts­pflich­ten oder Biodi­ver­si­täts­ver­lus­ten zu beschäf­ti­gen, wird langfris­tig mehr kosten, als diese Entwick­lun­gen zu antizipieren.

Schon Archie B. Carroll, einer der bekann­tes­ten Vorden­ker für Nachhal­tig­keit und Corpo­ra­te Social Respon­si­bi­li­ty, erkann­te, dass ein Unter­neh­men nur nachhal­tig handeln kann, wenn es wirtschaft­lich ist und damit ökono­misch nachhal­tig. Als Unter­neh­men verant­wort­lich zu handeln, schließt wirtschaft­li­ches Denken also nicht aus, sondern ein. 

Umsät­ze steigern, Kosten reduzie­ren, Reputa­ti­on und Innova­ti­ons­kraft erhöhen oder die Arbeits­zu­frie­den­heit im Unter­neh­men fördern sind ökono­mi­sche Ziele, die mithil­fe von Nachhal­tig­keit erreicht werden können, wenn die umlie­gen­den Dimen­sio­nen ins unter­neh­me­ri­sche Handeln integriert werden. Nachhal­tig­keit wird dadurch mehr als eine Risiko­ver­mei­dung, es ist ein Chancen­po­ten­zi­al das gehoben werden will.

10 überzeu­gen­de Gründe für mehr Nachhal­tig­keit im Unternehmen

01: Nachhal­tig­keit kann Kosten senken

Nachhal­tig­keit heißt, mit Ressour­cen, Materia­li­en und Energie schonend und effizi­ent umzuge­hen. Wer nachhal­ti­ger wird, spart daher meist auch Kosten.

Evidenz
Laut einer Studie des Border­step Insti­tuts könnten in Deutsch­land pro Jahr rund 3 Millio­nen Tonnen CO2-Emissio­nen einge­spart werden, wenn Dienst­rei­sen nach der Pande­mie dauer­haft durch Video­konferenzen erset­zen würden. Das ist nicht nur nach­haltiger, sondern würde auch erheb­li­che Kosten sparen. Zur Studie

Beispie­le
Puma, Mars, Floow2 oder Desso sind nur einige namen­haf­te Unter­neh­men die durch nachhal­ti­ge Geschäfts­pro­zes­se, wie das Teilen von Maschi­nen oder Trans­port­fahrt­zeu­gen, durch Wieder­ver­wer­tung oder durch Energie­ef­fi­zi­enz­op­ti­mie­run­gen Kosten­ein­spa­run­gen reali­sie­ren konnten. Durch Effizi­enz­ge­win­ne Kosten zu sparen ist einer der wesent­li­chen Treiber für Nachhal­tig­keit. Mehr dazu

02: Nachhal­tig­keit schafft Innovation

Viele Unter­neh­men entwi­ckeln neue Ideen für Produk­te, Services, Prozes­se oder ganze Geschäfts­mo­del­le, sobald tradier­te Aktivi­tä­ten durch die neue Perspek­ti­ve Nachhal­tig­keit betrach­tet werden.

Evidenz
Die Meta Studie „The relati­ons­hip between innova­ti­on and sustaina­bi­li­ty: A meta-analy­tic study“ von Kuzma et al. (2020) weißt einen positi­ven Effekt von Innova­ti­on auf die Nachhal­tig­keits­leis­tung einer Organi­sa­ti­on nach. Zur Studie

Beispiel
Alexan­der Hofmann, Geschäfts­füh­rer der Wiegel-Gruppe, entwi­ckel­te mit seinem Team Ende der 80er Jahre in einem Pilot­pro­jekt einen neuen Anlagen­typ einer Feuer­ver­zin­ke­rei mit komplett einge­haus­ter Verzin­kungs- und Vorbe­hand­lungs­li­nie. Ergeb­nis: enorme Kosten­ein­spa­run­gen, Abfall­ver­mei­dung und Energie­ef­fi­zi­enz­ge­win­ne. Das ermög­lich­te in 33 Jahren die Errich­tung von 33 neuen Betrie­ben aus eigener Kraft. Dafür wurde Hofmann u.a. mit dem B.A.U.M Preis 2020 ausge­zeich­net. Mehr dazu

03: Nachhal­tig­keit steigert Arbeitszufriedenheit

Nachhal­tig­keit ist ein positi­ver Treiber für die Mitar­bei­ten­den­bin­dung, Mitar­bei­ten­den­at­trak­ti­vi­tät und Mitar­bei­ten­den­zu­frie­den­heit – insbe­son­de­re bei jungen Menschen.

Evidenz
Wissen­schaft­li­che Unter­su­chun­gen und Befra­gun­gen zeigen vielzäh­li­ge positi­ve Effek­te auf Mitarbeiter:innenebene die durch das Nachhal­tig­kei­tenga­ge­ment einer Organi­sa­ti­on entste­hen. Als Organi­sa­ti­on einen „Purpo­se“ mit Nachhal­tig­keits­be­zug zu haben, erfüllt für viele die Arbeit mit Sinn. Zur Studi­en­über­sicht

Beispie­le
Unter­neh­men wie Unile­ver, IBM, Marks & Spencer oder BASF zeigen, wie durch den Einsatz der Beleg­schaft – d.h. poten­ti­ell jedem Mitar­bei­ten­den – Geschäfts­pro­zes­se und ‑modell nachhal­ti­ger gestal­tet werden können. Diese und andere Formen der Parti­zi­pa­ti­on an Trans­for­ma­ti­ons­pro­zes­sen kann die Zufrie­den­heit der Mitar­bei­ten­den positiv beein­flus­sen. Mehr dazu

04: Nachhal­tig­keit steigert Umsatz und Marge

Ob durch neue Kunden­seg­men­te oder effizi­en­te­re Produk­ti­ons­pro­zes­se, Nachhal­tig­keit wirkt meist positiv auf die finan­zi­el­le Perfor­mance eines Unternehmens.

Evidenz
Die Meta-Studie „ESG and finan­cial perfor­mance: aggre­ga­ted evidence from more than 2000 empiri­cal studies“ von Friede et al. (2015) zeigt, dass der Business Case für ESG empirisch nachweis­bar ist. Ein Großteil der in der Studie unter­such­ten Forschungs­ar­bei­ten weisen ein positi­ves Ergeb­nis zwischen Nachhal­tig­keits­leis­tung und finan­zi­el­ler Perfor­mance auf. Zur Studie

Beispiel
Der Outdoor VAUDE hat sich in den letzten 10 Jahren zum Vorzei­ge­bei­spiel für nachhal­ti­ges Wirtschaf­ten entwi­ckelt. Das wurde nicht nur durch viele Auszeich­nun­gen bestä­tigt, sondern drückt sich auch in einer Umsatz­stei­ge­rung aus. Mehr dazu

05: Nachhal­tig­keit verein­facht die Finanzierung

Themen wie Sustainab­le & Respon­si­ble Invest­ment (SRI) und Sustainab­le Finan­ce nehmen an Fahrt auf. Häufig wird der Zugang zu Kapital durch gute ESG-Kennzah­len vereinfacht.

Evidenz
Weltweit werden immer mehr Inves­ti­tio­nen mit Blick auf Nachhal­tig­keit getätigt. Im Jahr 2015 erreich­te der Markt für alle Arten von SRI-Angebo­ten nach Angaben der Global Sustainab­le Invest­ment Allian­ce 22,90 Billio­nen US-Dollar (26,3 % aller globa­len Kapital­märk­te). Zur Studie

Beispiel
Larry Fink, der CEO von Black­Rock, dem größten Vermö­gens­ver­wal­ter der Welt, sagte kürzlich “If compa­nies fail to provi­de meaning­ful sustaina­bi­li­ty infor­ma­ti­on, we will hold manage­ment accoun­ta­ble.” Wer also zukünf­tig Geld von Inves­to­ren haben will, muss nachhal­tig sein. Mehr dazu

06: Nachhal­tig­keit verbes­sert die Reputation

Nachhal­tig­keit wirkt sich positiv auf die Wahrneh­men eines Unter­neh­mens durch seine Stake­hol­der aus und stärkt damit Marke und Reputation.

Evidenz

Die Ergeb­nis­se der Meta-Studie von Gomez-Truji­l­lo et al. (2020) zeigen, dass Nachhal­tig­keit häufig eine Vorstu­fe der Unter­neh­mens­re­pu­ta­ti­on ist und ein Instru­ment zur Verbes­se­rung der Akzep­tanz und der Wahrneh­mung der Unter­neh­mens­ak­ti­vi­tä­ten durch ihre Stake­hol­der sein kann. Zur Studie

Beispiel
Die LEGO Group hat es laut dem New York Reputa­ti­on Insti­tut geschafft, mit einer konsis­ten­ten CSR-Strate­gie an die Spitze der Unter­neh­men mit der besten Reputa­ti­on weltweit zu kommen. Ein wesent­li­ches Element in dieser Strate­gie ist es, dass die Geschäfts­füh­rung das Thema Nachhal­tig­keit aktiv nach innen und außen unter­stützt. Mehr dazu

 

07: Regula­to­ri­sches Umfeld antizipieren 

Bereits heute gibt es viele gesetz­li­che Anfor­de­run­gen die Unter­neh­men bzgl. Nachhal­tig­keit erfül­len müssen, insbe­son­de­re hinsicht­lich der Bericht­erstat­tung. Diese Anfor­de­run­gen werden weiter steigen.

Evidenz

Neben dem CO2-Preis durch Steuern und Emissi­ons­han­dels­sys­tem werden vor allem die Offen­le­gungs­pflich­ten in der EU durch die EU Taxono­mie, die Corpo­ra­te Sustaina­bi­li­ty Repor­ting Direc­ti­ve, die Sustainab­le Finan­ce Repor­ting Direc­ti­ve oder die Corpo­ra­te Sustaina­bi­li­ty Gover­nan­ce Direc­ti­ve sowie das Liefer­ket­ten­ge­setz weiter steigen. Mehr dazu

Beispiel
Bereits heute sollten sich Unter­neh­men auf die neuen Reporting­pflich­ten vorbe­rei­ten. Mit WeShyft können Unter­neh­men ineffi­zi­en­te Bericht­erstat­tungs­pro­zes­se schnell in reibungs­lo­se Workflows überfüh­ren. Mehr dazu

 

08: Nachhal­tig­keit schafft Attraktivität

Nachhal­tig­keit ist ein wichti­ger Faktor um poten­zi­el­le Arbeiternehmer:innen zu gewin­nen. Beson­ders im „War of Talents“ der Millen­ni­als wird sie zum entschei­den­den Faktor.

Evidenz
Viele Unter­su­chun­gen zeigen einen positi­ven Einfluss von CSR und Nachhal­tig­keit auf die Arbeit­ge­ber­at­trak­ti­vi­tät. Der „Purpo­se“ eines Arbeit­ge­bers bietet Identi­fi­ka­ti­ons­mög­lich­kei­ten und ist beson­ders für junge Arbeitnehmer:innen wichti­ger als materi­el­le Aspek­te. Zur Studie

BeispielViele Unter­neh­men haben es bereits erkannt: um junge Talen­te zu rekru­tie­ren, sollte eine solide und authen­ti­sche Nachhal­tig­keits­stra­te­gie im Unter­neh­men integriert sein und kommu­ni­ziert werden. Es ist daher kein Wunder, dass das Thema auf vielen Websei­ten sehr promi­nent darge­stellt wird. Das Unter­neh­men Hambor­ner Reit AG hat das „Employee Develo­p­ment“ zu einem zentra­len Bereich ihrer Nachhal­tig­keits­stra­te­gie gemacht Mehr dazu

 

09: Nachhal­tig­keit ist ein Wettbewerbsvorteil

Nachhal­tig­keit ist der Megatrend unserer Zeit. Mehr und mehr Unter­neh­men starten ihre Reise, um Geschäfts­mo­del­le ökolo­gi­scher und sozia­ler zu gestal­ten und damit neuen Kunden­wün­schen zu entsprechen.

Evidenz

Viele Konsument:innen bezie­hen in ihre Kaufent­schei­dun­gen zuneh­men ökolo­gi­sche und sozia­le Krite­ri­en mit ein, um einen nachhal­ti­ge­ren Lebens­stil zu prakti­zie­ren. Viele Unter­neh­men bieten daher entspre­chen­de Produk­te und Services an. Das bestä­tigt auch eine Umfra­ge der Wirtschafts­prü­fung Deloit­te. Zur Umfrage

Beispiel

Der Fleisch­her­stel­ler Rügen­wal­der Mühle hat in den vergan­ge­nen Jahren eine komplet­te Produkt­pa­let­te von veganen und vegeta­ri­schen Fleischer­satz­pro­duk­ten entwi­ckelt. Damit reagier­te das Unter­neh­men auf verän­der­te Kunden­prä­fe­ren­zen und neue Konkur­renz­pro­duk­te. Mittler­wei­le macht das Unter­neh­men mehr Umsatz mit seinen Fleisch­al­ter­na­ti­ven als mit klassi­scher Wurst. Mehr dazu

10: Nachhal­tig­keit ist ein Risikomanagement

In den letzten zehn Jahren haben Nachhal­tig­keits­ri­si­ken bei Inves­to­ren, Regulie­rungs­be­hör­den und Kunden zuneh­mend an Bedeu­tung gewon­nen. Heute sind vielen Unter­neh­men dazu überge­gan­gen, ihre Nachhal­tig­keits­ri­si­ken proak­tiv zu managen und mit „ESG-kompa­ti­blen” Unter­neh­men zusammenzuarbeiten.

Evidenz

Das die größten ökono­mi­schen Risiken aus Umwelt­ri­si­ken resul­tie­ren, wird in der Wirtschaft anerkannt. Zumin­dest, wenn man dem Risk-Report des Word Econo­mic Forums glaubt, das unter den 10 größten Risiken 5 mit Umwelt­be­zug nennt. Für Unter­neh­men ergeben sich darüber hinaus weite­re Risiken in der Liefer­ket­te, wie Verstö­ße gegen Menschen­rech­te. Zur Studie

Beispiel

Für Credit Suisse ist ein Risiko­ma­nage­ment wesent­li­cher Teil der Nachhal­tig­keits­stra­te­gie. „Der sorgfäl­ti­ge Umgang mit Risiken im Einklang mit unseren strate­gi­schen Priori­tä­ten ist von grund­le­gen­der Bedeu­tung für unsere Geschäfts­tä­tig­keit.“ Die Bank hat dazu einen eigenen Prozess entwi­ckelt, um nachhal­tig­keits­be­zo­ge­ne und weite­re Risiken syste­ma­tisch zu prüfen. Mehr dazu

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